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In Italien gilt es als anmaßend und respektlos, eine ältere fremde Person oder eine Amtsperson mit „Ciao!“ zu begrüßen und das **Tu** (Du) zu verwenden. Die formelle Etikette verlangt das Pronomen der 3. Person Singular **Lei** (unabhängig davon, ob die angesprochene Person männlich oder weiblich ist!).
1. Das Geheimnis des „Lei“: Warum Respektspersonen weiblich angesprochen werden
Warum spricht man einen männlichen Arzt oder einen älteren Herrn mit Lei (sie) an? Während der Renaissance bezog sich die formelle Anrede auf abstrakte Ehrentitel wie La Vostra Signoria (Eure Lordschaft / Euer Gnaden) oder La Vostra Eccellenza (Eure Exzellenz) – allesamt feminine Substantive! Das Pronomen Lei blieb als Echo dieser historischen Höflichkeitsform erhalten.
2. Die soziale Beziehungslandkarte: Wer bekommt das „Tu“ und wer das „Lei“?
| Informelles TU (Du) | Formelles LEI (Sie) |
|---|---|
| Freunde, Familie und Gleichaltrige | Professoren, Ärzte und Anwälte |
| Kinder und Jugendliche | Ältere Personen, die man nicht gut kennt |
| Kommilitonen an der Universität | Bankangestellte, Polizeibeamte und Behördenvertreter |
| Personen im Fitnessstudio / beim Sport | Erstkontakt beim Einkaufen in Luxusgeschäften |
3. Direkter Vergleich: Alltagsphrasen im TU- vs. LEI-Gebrauch
| Begrüßung / Redewendung | Informelles TU (Freunde) | Formelles LEI (Fremde / Respektspersonen) |
|---|---|---|
| Hallo / Guten Tag | Ciao! | Buongiorno / Buonasera! |
| Wie geht es dir / Ihnen? | Come stai? | Come sta? |
| Wie heißt du / heißen Sie? | Come ti chiami? | Come si chiama? |
| Bitte / Treten Sie ein | Prego, entra pure! | Prego, entri pure! |
| Auf Wiedersehen / Tschüss | Ciao / A presto! | Arrivederci / Buona giornata! |
4. Die magische Übergangsphrase: „Diamoci del tu!“
Im beruflichen Umfeld beginnen italienische Kollegen oft mit dem Lei. Sobald eine gute Beziehung aufgebaut ist, wird der ranghöhere Kollege herzlich lächeln und sagen:
"Possiamo darci del tu?" oder "Diamoci del tu!" (Wollen wir uns duzen? / Sagen wir doch „Du“ zueinander!).
Von diesem Moment an fällt die Förmlichkeit ab und eine freundschaftliche Herzlichkeit zieht ein.